Jahresüberblick Nov. 2016 bis Nov. 2017

Bürgerinitiative „Respekt : Menschen!“ e.V.: Jahresüberblick Nov. 2016 bis Nov. 2017

Das Jahr war in der großen Politik gekennzeichnet durch die Abnahme des „Willkommens“ und die Zunahme der Anforderungen an die Flüchtlinge. Das am häufigste im Zusammenhang mit den Flüchtlingen genutzte Wort war „Abschiebung“, obwohl nur ein kleiner Teil ausgereist ist oder noch viel kleinerer Teil abgeschoben wurde oder zur Abschiebung ansteht. ( Bei einer Flüchtlingszahl von etwa 1800 gab es von Jauar bis August 2017  in LU 11 Abschiebungen und 87 Ausreisen, neuere Zahlen konnte Herr Eckelt nicht nennen.)
Es ist ein Klima von verstärkter Abwehr in der Gesellschaft entstanden. Wir merken es daran, dass nur noch wenig neue Ehrenamtliche hinzugekommen sind. Es gibt noch Spenden, aber nur äußerst zögerliche Wohnungsangebote. Die Ausreisen der Familien aus den Balkanländern sind weiter gegangen, es sind nur noch wenig hier.

Für die meisten Geflüchteten (und für uns) ist der Alltag der mühsamen Integration angebrochen. Es gibt sehr viel mehr offizielle Deutschkurse (wir müssen mit unseren Terminvorschlägen mehr als früher Rücksicht darauf nehmen). Es gibt den schwierigen Übergang vom Sozialamt zum Jobcenter, den Wildwuchs der Sprachkurse, Kindergeldantrag, die Mühen und Frustrationen der Wohnungssuche usw.

Inzwischen gibt es mehr professionelle Sozialarbeiter bei der Stadt, so dass wir mehr Probleme an die Professionellen von Stadt und karitativen Einrichtungen weitergeben können und müssen.

Neben der täglichen Arbeit unserer Mitglieder:

  • Begleitung, Beratung, Hilfe bei Wohnungssuche und -einrichtung für Flüchlinge,
  • neben Teilnahme am rundenTisch Asyl der Stadt Lu und den Treffen des AK Ayl Pfalz in Speyer,
  • neben monatlichen Treffen der Initiative und mehrmaligen Stammtisch-Treffen

haben wir als Initiative folgende  Aktivitäten  durchgeführt:

Am 9. Dezember 2016 gab es eine Kundgebung in Mainz, die sich hauptsächlich gegen Abschiebungen nach Afghanistan richtete. Von LU sind viele Afghanen mit dem Zug nach Mainz mitgefahren. Wir haben einen großen Teil der Reisekosten übernommen.

Zum neuen Jahr haben wir an die Städtischen Mitarbeiter/innen, die mit den Flüchtlingen zu tun haben, Gute-Wünsche-zum-Neuen-Jahr-Karten verteilt. Allerdings ohne Echo.

Am 16.2. und 3.3. haben wir im Gemeindesaal der Apostelkirche je eine Informations-Veranstaltung für die Afghanen durchgeführt, die wegen der Abschiebungen sehr verunsichert sind. Zusammen mit Frau Hahn von der Diakonie und Frau Rechtsanwältin Khan.

Am 17.3. nahm Marianne Speck an einem Empfang des Bundespräsidenten Gauck teil. Sie trug eine Bluse mit der Aufschrift „keine Abschiebung nach Afghanistan“, was ihr manche Zustimmung brachte, aber keinen Skandal auslöste.

Zu Beginn des Jahres haben Christel und Barbara noch erhebliche Anstrengungen  für das Nähprojekt „Silberstreif“ unternommen, das trotz Geldzusage im April wegen der bürokratischen Hürden aufgegeben wurde.

Das Projekt „ein Teller mehr“ sucht neue Teilnehmer. Die bestehenden Patenschaften laufen weiter.

Herr B., der Mann ohne Arme, ist nach Albanien ausgereist und dann nach Italien gefahren, wo er, bezahlt durch eine Spendensammlung der Ökumenischen Fördergemeinschaft, Armprothesen bekam.

Die Auszahlung der Analogleistung haben wir bei verschiedenen Familien angemahnt. Die Stadtverwaltung zögert mit der Auszahlung in den Fällen, in denen eine Ablehnung durch das Bundesamt ausgesprochen wird. Bekommen die Familien doch einen Aufenthalt, zahlt sie nach. Was zurzeit mit denen ist, die geduldet bleiben müssen, ist unklar. In einem Fall (Faz.) haben wir auch bei Duldung die Analogleistung über den Stadtrechtsausschuss erreichen können.

Am 1. Mai haben wir auf der Veranstaltung des DGB bei schlechtem Wetter einen Infostand gemacht und Unterschriften gegen die Abschiebung nach Afghanistan gesammelt (46). Diese wurden an den Innenminister nach Berlin geschickt.

Mitte des Jahres wurden die Punkthäuser Dammstückerweg belegt. Hier haben wir (vor allem Brigitte und ihr Team) tatkräftige Betreuung geleistet, die Zusammenarbeit mit der Diakonie, die die Betreuung zu organisieren übernommen hatte,  gestaltete sich langwierig.

An Ferienmaßnahmen haben wir die Freizeiten für 6 Jugendliche in Deutschland (Allgäu und Nordsee) und evangelische Jugend Ludwigshafen vermittelt und bezahlt  und 25 Kinder angemeldet und bezahlt für Stadtranderholung an der Blies. Insgesamt 1788 €.

Von der Diesterwegschule haben wir eine Spende von 750 € erhalten, die die Schüler im Rahmen eines Benefizlaufes gesammelt hatten. Dieses Geld haben wir für die Ferienmaßnahmen verwendet.

Von einer Geburtstagsfeier haben wir 540 € erhalten.

Am 30. September, im Zusammenhang mit dem Tag des Flüchtlings im Rahmen der internationalen Woche, haben wir in der Unterkunft Dammstückerweg ein „Fest mit Freunden“ gestaltet, zu dem die Einwohner, aber auch die Nachbarn eingeladen waren und kamen. Am gleichen Tag gab es ein „Nachbarschafts-Fest“ im Rampenweg mit guter Teilnahme der Einwohner und nur geringer Teilnahme der umliegenden Nachbarn und des AK Rheingönheim.

Zum Weltfest im Pfalzbau am 15.10. wurde von uns in allen Unterkünften eingeladen und die zur Verfügung gestellten Busse wurden von uns organisiert. Viele Flüchtlinge nahmen an diesem Fest teil. Es gab dort den „Ehrenpreis der offenen Welt“ für Brigitte Eckhard und denselben für ihr Team, das in Edigheim und Oppau die Flüchtlinge unterstützt.

Im Jahr 2017 haben wir 8 Termine für eine Supervisionssitzung mit Prof. Dr. Schweizer aus Heidelberg durchgeführt. Es nahmen durchschnittlich 9 Personen daran teil. Dr.Barbara Kullik hat freundlicherweise die Organisation und die Beantragung der Förderung durch die Landesregierung übernommen.

Am 11.3. und am 22.10. führte der AK Rheingönheim einen Umsonstflohmarkt durch, der von uns tatkräftig unterstützt wurde. Es wurden viele Sachen gebracht und in kürzester Zeit am Folgetag geholt. Eine win-win Situation für Spender und Empfänger. Diese Einrichtung soll fortgesetzt werden.

Wegen der schwierigen Schulbildungslage der Jugendlichen ohne Deutschkenntnisse haben wir Ende September einen Brief an die Landes-Ministerinnen Spiegel (Integration) und Dr. Hubig  (Bildung) geschrieben. Bisher ohne Antwort. Aber die Berufsbildenden Schulen sind nach unserer Information jetzt angewiesen, die Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr zu beschulen. Ob die Intensität der Beschulung ausreicht für einen Schulabschluss, ist fraglich. Inzwischen hat der Diakonieausschuss des protestantischen Kirchenbezirks Ludwigshafen das Problem der Ministerin vorgetragen und am 27.11. ausführlich in die Zeitung Rheinpfalz gebracht.

Wir sind jetzt dabei, wegen des Wohnungsproblems verschiedene karitative und städtische Stellen anzusprechen mit der Hoffnung, dass es eine offizielle Wohnungsvermittlungsstelle oder zumindest Wohnungssuche-Hilfe-Stelle geben wird. Wir erwarten ein Gespräch mit der neuen Sozialdezernentin.

30.11.2017

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