Das Ausländeramt Ludwigshafen hat mutwillig eine integrierte Familie auseinandergerissen

Der Bericht der Helferin und Bekannten der Familie

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie über einen m.E. ungeheuerlichen Vorfall in Verantwortung der Ludwigshafener Ausländerbehörde informieren, der die Empörung zahlreicher Menschen der Stadt Ludwigshafen hervorruft. Es geht um eine regelrecht überfallartige und in ihrer Qualität  traumatisierende Abschiebungsmaßnahme in der Nacht vom 30. Januar auf 31. Januar zweier Familienangehöriger und in der Folge um die Trennung einer Familie aus Armenien, die noch bis vor wenigen Tagen in Ludwigshafen wohnhaft war. Die Geschichte und das Schicksal dieser Familie ist sehr vielen Institutionen, Einrichtungen der Stadt Ludwigshafen, aber auch einem breiteren Publikum der Ludwigshafener und Mannheimer Bevölkerung durch neueste Presseartikel in der Rheinpfalz und im Mannheimer Morgen bekannt.

Diesen Brief schreibe ich nicht nur als Sozialpädagogin, sondern auch als engagierte Freundin der Familie, als Frau, als Mutter und als Mensch, der zu tiefst betroffen ist von den unnachvollziehbaren Entscheidungen seitens der Ausländerbehörde der Stadt Ludwigshafen, die die rücksichtlose Zerstörung und Traumatisierung dieser Familie zur Wirkung hatten. Ich weiß, dass viele Organisationen und einzelne  Menschen in der Stadt vielfältig engagiert waren, um dieser Familie zu helfen, und ich stehe als Ansprechpartnerin zur Verfügung für alle Fragen zur Lage dieser Familie und zu Fragen über die neuesten Ereignissen, die diese Familie ruiniert haben; ich verfüge ferner über alle Unterlagen.

Es handelt sich um eine 4-köpfige Familie aus Armenien. Die Mutter Lusine Zakaryan  ist an Krebs erkrankt, die Tochter, 12-jährige Tochter Lina Hovhannesyan, hat den Grad der Behinderung von 100% sowie unter anderem  Mehrkzeichen aG (außergewöhnliche Gehbehinderung), H (Hilflosigkeit) sowie Pflegegrad 4. Die Mutter und die Tochter haben ein bestandskräftiges Abschiebungsverbot und eine Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 3 AufenthG

Der Ehemann von Frau Zakaryan, leiblicher Vater vom Kind Lina, Aram Hovhannesyan, sowie der 18-jähriger Sohn und Bruder Armen Hovhannesyan hatten eine Duldung.  Es war behördenbekannt, dass Frau Zakaryan und ihre schwerstbehinderte Tochter Lina Hovhannesyan alltäglich auf die Unterstützung durch die Familienangehörigen angewiesen sind. Eine Trennung der Familienangehörigen hielten und halten wir alle – Anwalt, Berater, Betreuer, Bekannte und Freunde der Familie, Professoren der Hochschule, an der Frau Zakaryan studiert, für nicht zumutbar und für eine inhumane Härte! Die familiäre Lebensgemeinschaft ist durch Artikel 6 des Grundgesetzes geschützt.

Die Familie ist allen als in höchsten Maße integrationsbereit und -engagiert bekannt. Frau Zakaryan hat trotz ihrer Erkrankung und der Pflege der schwerstbehindert Kindes in kürzester Zeit Deutsch gelernt und studiert derzeit erfolgreich an der Hochschule Ludwigshafen Soziale Arbeit/Sozialpädagogik, nun im 5ten Semester. Im Januar hat sie in einem Festakt der Hochschule die Auszeichnung und den DAAD-Preis erhalten für ihre hervorragenden Studienleistungen und ihr außergewöhnliches soziales Engagement. Die Presseartikel, die auch weitere Informationen zur Familie enthalten, finden Sie im Anhang meiner Email.

Ihr Sohn Armen Hovhannesyan, der letzte Woche zusammen mit seinem Vater abgeschoben wurde, hat in kürzester Zeit mit großem Erfolg Zertifikat B1 in Deutsch erhalten und hatte in Ludwigshafen einen festen Ausbildungsplatz und einen Berufsausbildungsvertrag als Fachkraft im Gastgewerbe.

Die Abschiebung ist meines Wissens eindeutig rechtswidrig. Laut dem Gesetz ist in den hier gegebenen Verhältnisses eine Ausbildungsduldung nach § 60a Abs. 2 AufenthG zu erteilen!!!!

Der Ausländerbehörde war die Lage der Familie umfänglich bekannt. Es war bekannt, dass der Vater, Herr Aram Hovhannesyan, am 31. Januar im Klinikum Ludwigshafen hätte operiert werden sollen. Es war bekannt, n welchem gesundheitlichen Zustand sich Frau Zakaryan befindet und dass sie die Unterstützung ihrer Familie auch für die Betreuung ihrer schwerstbehinderten Tochter dringend benötigte, es war bekannt, dass sie den Fall ihrer Familie an die Härtefallkommission weiter leiten wird. Es lagen der Ausländerbehörde alle ärztlichen Atteste, zahlreiche Gutachten und Stellungnahmen, Anträge wie auch die einschlägigen Presseartikel vor. Die Ausländerbehörde hat mit dieser Entscheidung nicht nur diese, sondern auch die Schreiben des Anwaltes der Familie ignoriert und offenbar in einer Eilentscheidung Fakten geschaffen, die nicht mehr ungeschehen zu machen sind.

Die Betroffenen, Armen und Aram Hovhannesyan, haben mit der Abschiebung nun ein Einreiseverbot von 2, 5 Jahren !!!!! erhalten und haben zudem die Kosten dieser absurden Abschiebung nun selbst zu tragen.

Mir liegen alle Unterlagen dieser Familie vor: vom Bundesamt, vom Anwalt, von der Hochschule, von den Ärzten, vom Kinderzentrum, vom Arbeitgeber des Sohnes, von unterschiedlichsten Beratungsstellen. Außerdem sind mir alle Aussagen der Ausländerbehörde bekannt.  Ich hoffe sehr, dass wir mit Briefen an die Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen, den Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration, an den Bundespräsidenten und mit Briefen an die Presse, gemeinsam helfen können, nicht nur zur Überprüfung der Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung beizutragen, sondern auch die unmenschlichen Folgen dieses Vorgangs zu lindern und das, was rückgängig gemacht werden kann, zu erreichen.

Alle, die die Familie unterstützen möchten und hierfür nützliche Ideen haben, bitte ich um die umgehende Kontaktaufnahme mit mir zwecks Absprache der weiteren Vorgehensweise!

Die Stadt Ludwigshafen hat die „Willkommenskultur“ und das gesellschaftliche und politische Ziel einer „gelungenen Integration“ auf ihre Fahne geschrieben. Was hier geschehen ist, ist eine zynische Ohrfeige ins Gesicht all derer, die diesen politischen Willen teilen und Staat und Gesellschaft in Verantwortung sehen, diese Ziele zu erreichen.

Ich weiß nicht, was ich der kleinen Lina, dem Sonnenschein der Mosaikschule Ludwigshafen, auf ihre Frage antworten soll, warum ihr geliebter  Papa und ihr Bruder, die sie so lange nicht mehr sehen konnte, jetzt plötzlich nicht mehr da sind. (Zum Glück hat sie in der Nacht, in der 12 Polizisten und eine Mitarbeiterin der Ausländerbehörde zur Abschiebung in der kleinen Wohnung in der Bertolt-Brecht-Straße waren, geschlafen und dieses schreckliche Ereignis nicht unmittelbar erleben müssen. Sicherlich würde sie es nicht verstehen, wenn ich ihr sagen würde, dass diese Praxis so für die Abschiebe-Statistik der Stadt Ludwigshafen nützlich ist.)

Hier ist das Bild dieser Familie bei der Verleihung des Preises im Pfalzbau für die herausragenden Integrationsleistungen der Frau Zakaryan. Bei der Preisverleihung hat Frau Zakaryan gesagt: „Ich und  meine Familie sind Deutschland für alles sehr dankbar!“ Wir, die diese Familie kennen, hoffen sehr, dass  es  eine Möglichkeit gibt  für diese Familie wieder humane Verhältnisse herzustellen.

Zakaryan

Mit freundlichen Grüßen

Larissa Bogacheva

Sozialarbeiterin / Sozialpädagogin B. A. (FH)

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