Abschiebungen in Ludwigshafen

Der Ruf nach Abschiebungen bestimmt zur Zeit die ganze Diskussion um die Flüchtlinge.

Wir wollen aus unserer Kenntnis mitteilen, wie die Abschiebungen konkret aussehen, unter welchen Umständen sie ablaufen und das Leid beschreiben, das eine Abschiebung über die Menschen bringt.

Wenn wir von Abschiebungen erfahren oder wenn wir die Menschen und ihre Geschichte kennen, die abgeschoben worden sind, werden wir den Bericht in unsere Homepage aufnehmen.

Wir sagen nicht, dass es gesetzlich nicht möglich wäre. Die Gesetze sind so, dass sie das Leid der Menschen nicht sehen wollen.

Abschiebung in Ludwigshafen am 9.4.2018

Die Familie D. lebt seit 8 Jahren in Ludwigshafen, den größeren Teil der Zeit geduldet wegen einer schweren psychischen Erkrankung der Mutter. Sie stammen aus Mazedonien und waren schon im Jugoslawienkrieg 1992 vorübergehend in Ludwigshafen gewesen.

Wegen der Erkrankung der Mutter hatte ihr Ehemann vom Amtsgericht die Betreuung für seine Ehefrau zugesprochen bekommen.

Der Vater, die kranke Mutter und die inzwischen 18 jährige Tochter wurden in der Nacht mit Polizei aus ihrer Wohnung abgeholt.

Die Mutter erlitt dabei einen schweren Anfall seelischer und körperlicher Dekompensation, so dass für sie die Abschiebung abgebrochen werden musste. Sie kam in die psychiatrische Klinik.

Der Vater und die Tochter wurden nach Mazedonien abgeschoben.

Die seelisch schwer kranke Frau hat jetzt keinen Betreuer, sie muss die bisherige Wohnung verlassen weil sie zu groß wäre für eine Person und wird in der Sammelunterkunft untergebracht. Sie bekommt zum Leben Gutscheine statt Bargeld weil noch kein Betreuer bestellt ist.

Der Vermieter weiß nicht, wer die Miete bis Ende der Kündigungsfrist bezahlt. Das Sozialamt hat es abgelehnt, die Miete weiter zu zahlen weil es sich um ein privates Mietverhältnis handelt, das allerdings vom Sozialamt bezahlt wurde. (Rheinpfalz vom 17.5.18).

Abschiebung in Ludwigshafen am 11.5.2018

Die Familie B. besteht aus der Vater und zwei Söhnen im Alter von 10 und 8 Jahren. Sie stammen aus Pakistan.

Der Vater war schon einige Jahre hier, wohl mit unsicherem Bleiberecht. Er hatte Arbeit in einem Schichtbetrieb.

Als die Mutter der Familie in Pakistan im Beisein der Kinder ermordet wurde, ist der Vater nach Pakistan gefahren um seine beiden Söhne hierher zu holen.

Das war vor etwa einem dreiviertel Jahr.

Die beiden Jungen haben angefangen, die deutsche Sprache zu lernen, sind in die Schule gegangen. Besonders der jüngere war verhaltensauffällig, es bestand der Verdacht einer posttraumatischen Belastungsstörung, die aber noch nicht abgeklärt werden konnte.

Der Vater hat Arbeit gesucht, konnte aber wegen der Betreuung der Jungen keine Schichtarbeit annehmen.

Am frühen Morgen des 11.5. wurden sie von der Polizei in der Flüchtlingsunterkunft abgeholt und nach Italien abgeschoben. (in ein Land, dass bekanntermaßen nur geringe Maßnahmen zur Integration unternimmt).

Für die beiden Jungen, die schon Schlimmes durchgemacht haben, eine neue Entwurzelung und Verunsicherung.

Diese Abschiebung ist ein Beispiel für unzureichende Hilfe. Das führt dazu, dass die Familie den Schweregrad der Traumatisierung der Kinder nicht ausreichend und im richtigen Zeitrahmen vorbringen konnte. Das wiederum führt zu einer relativ schnellen Abschiebung in eine völlig unsichere Zukunft.

Schreibe einen Kommentar