Bildungsmisere der Kinder ohne Sprachkenntnisse

Marianne Speck bedankt sich für die Gratulation zur Verleihung der Bürgerschaftsmedaille und weist bei dieser Gelegenheit noch einmal auf die Misere hin, in der die Kinder, die ohne Deutschkenntnisse eingeschult werden, stecken. Sie wendet sich an Frau Heike Scharfenberger, Landtagsabgeordnete der SPD, die ja auch die Bildungsministerin Dr. Hubig stellt, und an Herrn Torbjörn Kartes, CDU, Bundestagsabgeordneter für Ludwigshafen:

Eine große Sorge möchten wir Ihnen vorstellen:

Die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen, die ohne Sprachkenntnisse nach Ludwigshafen kommen, ist sehr sehr unzureichend.

Es fängt damit an, dass die Kleinen lange auf einen Kindergartenplatz warten müssen und so die Zeit, in der sie mühelos Deutsch lernen könnten, nutzlos verrinnt.
Kommen sie in die Grundschule, so werden sie dem Alter entsprechend in eine Schulklasse eingegliedert. Schon ab der 2. Klasse ist es sehr schwer für sie –  und die Lehrerin – in der normalen Klasse das nachzuholen, was die anderen Kinder schon können: Deutsch, Schreiben, Lesen, Rechnen. Bis zur 4. Klasse wird das immer schwerer. Zusatz- oder Spezialunterricht gibt es nur in ganz geringem Umfang.

Sind sie bei Ankunft über 10 Jahre alt, kommen sie meist in die Realschule plus und bleiben dort, ohne dass geprüft wird, ob sie vielleicht auch ein Gymnasium besuchen könnten. Die Gesamtschulen nehmen nur ganz vereinzelt Schüler ohne Deutschkenntnisse auf.
Erst auf der Realschule plus gibt es intensiven Deutschunterricht, 4 Stunden am Tag mit 20 (!) Schülern in einem Kurs. Der Übergang in eine Normalklasse wird von manchen Kindern innerhalb von 2 Jahren geschafft, dann fehlt ihnen aber noch viel in den allgemeinen Fächern wie Mathe, Biologie etc. Weil sie ja erst den Schwerpunkt hatten, die Sprache zu lernen. Manche Kinder brauchen länger bis sie in die Normalklasse gehen können.
Mit der 9. Klasse haben viele den Hauptschulabschluss nicht erreicht. Fast alle kommen dann routinemäßig ins BVJ an der Berufsschule.
Jugendliche, die von der Realschule plus kommen (egal wie lange sie dort waren) bekommen keinen besonderen Deutschkurs mehr, sondern nur das BVJ Programm. Sie können sich also nicht wirklich weiter verbessern.

Jugendliche ohne Deutschkenntnisse über 16 Jahre  müssen ins BVJ der Berufsschulen, dort gibt es für sie auch intensiv Deutschkurs. Ein Jahr. Wenn sie danach gut sind und Aussicht auf einen Hauptschulabschluss haben, dürfen sie noch ein Jahr bleiben. Wenn die Aussicht nicht besteht werden sie entlassen. Schulpflicht ist erfüllt!
Wir haben gehört, dass die Berufsschule angewiesen ist, die Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr zu behalten, aber nur 2 Stunden Unterricht am Tag kann die Schule anbieten!

Bitte informieren Sie sich und bitte drängen Sie mit uns drauf, dass die Möglichkeiten, die die Kinder und Jugendlichen haben, auch  entwickelt und nicht durch unzureichende Beschulung behindert werden.

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